Vor sage und schreibe elf Jahren begann die erfolgreiche Geschichte eines Actionshooters, den wir alle kennen. Die Rede ist von der Spielserie Medal of Honor die damals einen Meilenstein der WW2 Shooter darstellte. Das erste Spiel Medal of Honor: Allied Assault, brachte uns mit seinen zwei Add-Ons Spearhead und Breakthrough erstmal an die Strände der Normandie und liess vor lauter Action so manche Kinnlade herunterklappen. Auch bei den weiteren Teilen, in denen man unterschiedliche alliierte Einsätze spielte, lag der Fokus eindeutig auf grandiosem Singleplayer, aber auch der Multiplayer von MoH fand eine grosse Fangemeinde. Dieses Jahr steht nun der nächste Teil der Serie ins Haus, der weit weg von früheren Schauplätzen den aktuellen Konflikt in Afghanistan in Szene setzt. Wir haben für euch die Multiplayerbeta vom neuen Medal of Honor angetestet.
Grosse Konkurrenz auf dem Markt Der zweite Weltkrieg wird nun auch bei einer der erfolgreichsten Spieleserien abgehakt und man stürzt sich mit dem Krisengebiet Afghanistan auf ein weiteres Modern Warfare Szenario. Medal of Honor darf also als direkte Konkurrenz zu CoD oder BF BC2 gesehen werden. Produziert wird die Singleplayerkampagne von EA Los Angeles, den Multiplayer produzieren die DICE Studios in Stockholm die mit der Battlefield Serie einige Erfahrung mitbringen. Wir erinnern uns: Bad Company 2 Producer Patrick Liu wurde kurz nach der Veröffentlichung von DICE abgezogen, um in Los Angeles an der Entwicklung des neuen MoH mitzuwirken. So ist es auch nicht verwunderlich das für den neuen Teil die von den Schweden entwickelte Frostbite Engine zu Einsatz kommt. EA versucht also nicht nur personell, sondern auch technisch verschiedene Spiele und deren Erfolgskonzept zu mischen. Zumindest bei den Systemanforderungen scheint sich die Entwicklung zu lohnen, fährt man mit einer guten DualCore CPU, zwei Gigabyte Arbeitsspeicher und einer guten Grafikkarte wirklich hervorragend. Sogar alte Betriebssysteme werden noch mit DirectX 9 unterstützt.
Szenario bleibt fraglich Sozusagen als Kettenhund des US-Präsidenten begibt man sich ins gebeutelte Afghanistan um den bösen Taliban einzuheizen. Den Entwicklern standen bei der Produktion Angehörige der US- Armee als Berater zur Seite um eine " authentische Umsetzung eines modernen Krieges" zu schaffen. Es bleibt abzuwarten wie die Spielergemeinschaft auf solche polemischen Ankündigungen reagiert. Gibt es doch mit Call of Duty MW2 und Battlefield Bad Comapny 2 reichlich schergewichtige Konkurrenz auf dem Markt.
Wir starten in die Beta Kein Trailer, kein Filmchen. Die Multiplayer Beta schickt uns direkt ins Hauptmenü. Zur Auswahl stehen zwei Karten mit zwei Spielmodi. In Kabul Streets wird man in ein Bierdeckel grossen Team-Deathmatch geschickt, das jetzt neumodisch Team-Assault heisst. Auf der Karte mit sage und schreibe 6 begehbaren Gebäuden gilt es alles was sich bewegt und nach Gegner aussieht mit seinem Schiessprügel zu bearbeiten. Das Team, das am schnellsten mit seinem Abschüssen das Punktelimit erreicht gewinnt. Soweit also nichts neues. Der zweite Spielmodi nennt sich Combat Missionen. Hier gibt es Angreifer und Verteidiger die sich gegenüber stehen. Im kargen afghanischen Hochland müssen US-Truppen von Taliban gehaltene Stellungen mit Objekten erobern und diese zerstören. Mal ist es eine Kiste die verdammt an die Boxen in BC2 erinnert, oder eine AA Stellung. Nach fünf eroberten Punkten haben die Angreifer gewonnen. Auf einem schlauchartigen, 100 Meter breiten Schlachtfeld gilt es gegen die Verteidiger anzurennen. Die Karte in der Beta ist sogar kleiner als vergleichbare Rush Karten im BF Bruder. Auch sind trotz Frostbite Engine bis auf ein paar Kisten und Fässer keine Gebäude oder Mauern zerstörbar.
Fehlende Masse an Klassen Mit Rifleman, Special Ops und Sniper stehen in der MoH Beta nur drei Klassen zur Auswahl. Von einigen Reviews wurde das bemängelt, aus meiner Sicht braucht der Multiplayer nicht wirklich mehr. Jedes Kit ist je nach Spielfortschritt und Punkten in Sachen Waffen und Ausrüstung anpassbar. Je länger man spielt, desto dicker die Wumme. Das abgelutschte Konzept kennt man aus anderen Spielen zu genüge und sorgt nicht wirklich für Jubel. Aber es macht im Multiplayer auch wenig Sinn mit mehr Auswahl einen der vielleicht zwei oder drei alternativen Ecken zu den Feinden zu gehen. Das Waffenbalancing ist schwammig und nicht nur die in der Mitte des Bildschirmes angezeigten Treffenpunkte nerven. Auf Entfernung scheinen Headshots besser als im Nahkampf zu sitzen und Granaten sind mit das nutzloseste was man sich in den Rucksack stopfen kann, der Schadensradius ist viel zu klein. Taktik kommt in diesen chaotischen Feuergefechten schon gar nicht zum Einsatz, wenn man darunter nicht nur das campen an der nächsten Ecke versteht.
Fazit Ein weiterer grosser Name der Spielewelt wurde also noch einmal von den Toten auferweckt um ihm mit einem fragwürdigem Szenario neues Leben einzuhauchen. Mit einem Mix aus halber Frostbite Engine ohne Zerstörung 2.0, im Multiplayer wirklich kleinen Karten und einer schmächtigen Klassenauswahl schickt man ein weiteres Modern Warfare Game auf den Markt. Der Erfolg darf wegen der schwachen kreativen Eigenleistung von EA und abgekupferten Spielkonzepten (Rush) stark bezweifelt werden. Weder Mapdesign noch Waffensound hinterlassen beim spielen einen wirklichen Aha- Effekt der zum kaufen reizt. Hoffnungsschimmer am Durchschnittshorizont ist bei Medal of Honor natürlich der Singleplayer, auf dessen Kampagnen wir schon gespannt sind. Veröffentlichungstermin: Ende 2010
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